Rheuma bedeutet in vielen Sprechzimmern: Medikamente, und zwar auf Dauer. Michaela Eberhard, Ganzheitliche Gesundheitstherapeutin, Gründerin der Rheuma Akademie, kennt diese Aussicht aus eigener Erfahrung: Mit 38 Jahren, zwei kleine Kinder zu Hause, geschwollene Gelenke an Händen und Füßen, bekam sie die Diagnose. Doch sie wollte sich damit nicht abfinden. Beim Autoimmunkongress erzählte die Betroffene, wie sie bei Vitaminen, Mineralstoffen und Fettsäuren landete und warum aus ihrer Sicht erst die Dosis den Unterschied machte. Ihr Gespräch trägt den Titel „Die Rheuma-Lüge: Wie du mit Nährstoffen deine Gelenke schützt“; die These darin ist ihre. Eines vorab: Eberhard ist keine Ärztin, sie schildert ihren eigenen Weg. Dieser Artikel gibt das Gespräch journalistisch wieder, mit O-Tönen und in indirekter Rede. Das vollständige Interview sehen Sie kostenlos im Kongress.
Diagnose mit 38: Warum sie sich nicht abfinden wollte
Der Anfang war leise. Mitte 30 wurden die Gelenke steif, das Gehen schwerfällig. Dann war nichts mehr leise.
Der ganze Körper hat geschmerzt, die Gelenke waren geschwollen, und ich wollte mich mit der schulmedizinischen Diagnose einfach nicht abfinden.
Die angebotenen Medikamente lehnte sie für sich ab. Mit den Beipackzetteln und der Aussicht auf eine Einnahme bis zum Lebensende habe sie sich nicht anfreunden können. Hier gehört ein Satz der Redaktion dazu: Wer eine entzündlich-rheumatische Erkrankung hat, verändert oder beendet Basistherapie (DMARDs, Biologika) und Kortison nie eigenmächtig, sondern nur in Rücksprache mit Rheumatologin oder Rheumatologe; ein früher Behandlungsbeginn schützt die Gelenke. Eberhards Entscheidung war ihre persönliche, das betont sie selbst.
Woher kam die Krankheit? Die naheliegende Antwort, schlechte Ernährung, passt bei ihr nicht. Sie lebte seit langem vegetarisch und achtete auf Bio-Qualität. Veranlagung sieht sie ebenfalls nicht. Rückblickend beschreibt sie eine komplexe Antikörpergeschichte nach stressreichen Jahren, mit angeschlagener Nebenniere und, in ihrer Lesart, leergeräumten Nährstoffdepots. Bei anderen Betroffenen könne der Darm eine Rolle spielen, räumt sie ein. Rheuma sei am Ende eine Autoimmunreaktion, die sich bei ihr gegen die Gelenke gerichtet habe, bei anderen gegen Schilddrüse oder Darm. Wie das Immunsystem eigen von fremd unterscheidet, erklärt Dr. med. Jenny Koch im Interview über Antikörper und Autoimmunerkrankungen aus demselben Kongress.
Was den Gelenkverschleiß von der Entzündung unterscheidet, erklärt unser Grundlagenartikel Arthrose verstehen. Ihren Weg von der Diagnose bis zur Beschwerdefreiheit schildert Eberhard ausführlicher im Gespräch über ihren Rheuma-Weg als Betroffene aus dem Rheuma & Arthrose Online-Kongress. Aus ihrer Erschöpfungsgeschichte wurde am Ende eine Zahl: sechs.
Sechs Basis-Nährstoffe und die Frage der Dosis
Sie probierte vieles, bis sie bei den Mikronährstoffen hängen blieb. Der Wendepunkt kam ihrer Erzählung nach später: als sie verstand, dass es auf die Menge ankommt. Die orthomolekulare Medizin schließe von Symptomen auf Mängel und teste sie im Blut oder Speichel. Sie selbst gehe einen Schritt weiter.

Ich kann mit bestimmten Dosierungen mancher Mikronährstoffe ganz bewusst Einfluss nehmen, was die Zelle macht.
Das ist ihre Arbeitsthese, keine gesicherte Lehrmeinung. Sechs Stoffe müssen aus ihrer Sicht zuerst stimmen: Vitamin D3 mit einem Spiegel im oberen Referenzbereich. Magnesium. Vitamin C, für sie bei Rheuma der zentrale Stoff. Coenzym Q10 für die Energie der Zelle. B-Vitamine, je nach Beschwerdebild zusammengesetzt. Und Omega-3-Fettsäuren mit hohem EPA-Anteil, die entzündungshemmend wirken sollen. Für Gesunde hält sie etwa ein Gramm Vitamin C am Tag für sinnvoll, wofür man nach ihrer Rechnung zehn Handvoll erntefrisches Gemüse essen müsste. Warum die Reihenfolge zählt, erklärt sie am Eisen.
Ich kann Eisen nicht hineinfuttern, wie ich will. Wenn ich als Voraussetzung keinen entsprechend guten Vitamin-C-Spiegel habe, wird Eisen sehr schwer bis gar nicht ansteigen.
Fehle die Basis, bleibe der Erfolg aller weiteren Präparate begrenzt. Bei Rheuma kommt für sie MSM dazu, organischer Schwefel, kombiniert mit Vitamin C; Rheuma sei aus ihrer Sicht eine Vitamin-C-Kollagen-Thematik. Was die Studienlage zu Nahrungsergänzung hergibt, beleuchtet unser Artikel über Supplemente bei Arthrose.

Ihr Beispiel für die Reihenfolge: Ohne einen guten Vitamin-C-Spiegel steige der Eisenwert kaum, beschreibt Michaela Eberhard. Erst wenn die Basis stehe, hätten weitere Stoffe eine Chance.

Wer so denkt, müsste eigentlich zuerst ein großes Blutbild fordern. Eberhard tut das nicht.
Blutwerte? Für sie zuerst die Symptome
Sie nennt sich Dolmetscherin zwischen dem, was der Körper zeigt, und dem, was ihm fehlen könnte. Ein aktueller Vitamin-D- oder B12-Wert sei willkommen, am Anfang aber nicht nötig. Referenzbereiche seien irgendwann von irgendjemandem festgelegt worden, oft ohne Blick auf Geschlecht, Alter, Gewicht und Lebensweise. Wer viel von seinem Körper verlange, brauche höhere Depots. Ihr Fazit:
Im Grunde genommen sind es Zahlen auf dem Blatt, und man kann die Depots sehr gut aufgefüllt haben und noch immer nicht beschwerdefrei sein.
Hier setzt die Redaktion einen deutlichen Hinweis. Fettlösliche Vitamine wie D3 reichern sich im Körper an. Wer hoch dosiert, braucht ärztliche Begleitung und Laborkontrollen, gerade wenn Rheuma-Medikamente im Spiel sind. Eberhard berichtet, ihren Vitamin-D-Spiegel in der Gesundungsphase lange weit über den üblichen Referenzbereich gebracht zu haben, ein Wert, den sie heute nicht mehr hält. Die Redaktion nennt diese Zahl bewusst nicht.
Bleibt die Frage, die Rheuma-Betroffene am häufigsten hören: Was darf ich noch essen?
Fleisch oder kein Fleisch? Was sie bei ihren Klienten beobachtet
Rheumatikern wird gern eine schlechte Ernährung unterstellt. Eberhards Erfahrung: Die meisten, die sich bei ihr melden, ernährten sich gar nicht so schlecht. Dann sagt sie einen Satz, der vielen Ratgebern widerspricht.
Ich kann auch keinen Unterschied feststellen, ob jemand mehr oder weniger Rheuma hat, weil er Fleisch isst oder weil er kein Fleisch isst.
Das ist ihre Beobachtung, keine Studie. Wichtiger sei ihr ein ordentlicher Gemüseanteil mit viel Grün, über den Tag verteilt. Eine strikte Ernährungsumstellung müsse niemand durchziehen. Wie Ernährung im Gelenk wirkt, lesen Sie im Artikel Arthrose und Ernährung.
Ähnlich pragmatisch geht sie mit Stress um. Den Job kündigen? Für die meisten unrealistisch. Also gehe es darum, den Körper so zu versorgen, dass er den Alltag aushalte. Und Entgiftung? Nur wenn etwas darauf hindeute, und dann in dieser Reihenfolge:
Entgiften tut ein Körper viel besser, wenn er gestärkt ist.
Was sie in ihrer eigenen Gesundungsphase eingenommen hat, fragte die Gastgeberin besonders genau nach.
Was sie selbst genommen hat
Die folgenden Zahlen sind Eberhards Angaben aus dem Gespräch, keine Empfehlung der Redaktion.
Vitamin C habe sie mit zwei bis drei Gramm am Tag dosiert, aufgeteilt auf mehrere Portionen. Synthetisches Vitamin C erzeuge eine kurze Spitze im Blut, deshalb setze sie auf bioverfügbare Formen, die die Zelle gleichmäßiger versorgen sollen. Diese Gleichmäßigkeit hält sie für den Kern ihres Vorgehens.
Bei Omega-3 empfehle sie anfangs flüssige Präparate. Bei Autoimmunerkrankungen könnten mindestens zwei Gramm täglich wirksam sein, Studien arbeiteten auch mit vier bis acht Gramm. Sie nennt das einen Feuerlöscher, der nicht auf Dauer nötig sei.
Coenzym Q10 dosiere sie nach dem Grad der Erschöpfung: Stark Erschöpfte könnten mit 100 Milligramm Ubiquinol morgens und mittags beginnen und die Menge senken, sobald die Kräfte zurückkehren. Menschen mit empfindlichem Herz vertrügen eher das klassische Q10. Bei den B-Vitaminen gelte: mehr B6, wenn die Psyche leide, mehr B12, wenn die Konzentration nachlasse.
Wer Rheuma-Medikamente nimmt, klärt Nahrungsergänzung in dieser Größenordnung mit Rheumatologe oder Apotheke ab.

Heute: Erhaltungsdosis statt Hochdosis
Wie geht es ihr heute? Die Beschwerden hätten sich aufgelöst, berichtet sie. Die hohen Dosierungen nehme sie nicht mehr, wohl aber täglich eine Erhaltungsdosis. Das ist ihr Erfahrungsbericht. Ob er sich auf andere übertragen lässt, kann aus einem Einzelfall niemand ableiten, und Eberhard selbst betont immer wieder, wie individuell Ursachen, Substanzen und Dosierungen seien. Das Wesentliche anständig dosiert bringe mehr als 20 oder 30 bunt gemischte Dosen, so ihr Credo.
Was Sie aus dem Gespräch mitnehmen können
Michaela Eberhards Kernpunkte aus dem Gespräch: Erschöpfung könne bei Rheuma eine größere Rolle spielen als Ernährungsfehler. Sechs Basis-Nährstoffe müssten aus ihrer Sicht zuerst stimmen. Dosis und gleichmäßige Versorgung seien wichtiger als die Zahl der Präparate. Blutwerte lieferten Orientierung, nicht das letzte Wort.
Was dieser Artikel nicht leisten kann: belegen, dass dieser Weg bei anderen funktioniert. Eberhard schildert Erfahrung, keine kontrollierten Studien. Hochdosierte Nahrungsergänzung und jede Änderung der Medikation gehören ins Gespräch mit dem Rheumatologen.
Wie zwei Ärztinnen aus dem Rheuma & Arthrose Online-Kongress auf Gelenkbeschwerden blicken, zeigen Prof. Dr. Michaela Döll im Interview über natürliche Alternativen für die Gelenke und Dr. med. Constanze Lohse im Interview zu den fünf Säulen der Naturheilkunde.
Dieser Artikel gibt Aussagen aus einem Kongress-Interview journalistisch wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung. Michaela Eberhard ist Ganzheitliche Gesundheitstherapeutin, Gründerin der Rheuma Akademie, keine Ärztin; sie schildert ihren persönlichen Erfahrungsbericht als Einzelerfahrung. Entzündlich-rheumatische Erkrankungen gehören in rheumatologische Behandlung. Basistherapie, Biologika und Kortison werden nie ohne Rücksprache mit Rheumatologin oder Rheumatologe verändert oder abgesetzt; hochdosierte Nahrungsergänzung klären Sie vorab ärztlich ab.
Häufige Fragen
Kann man Rheuma mit Mikronährstoffen behandeln?
Welche sechs Basis-Mikronährstoffe nennt Michaela Eberhard?
Warum legt sie so viel Wert auf die Dosierung?
Muss man bei Rheuma auf Fleisch verzichten?
Wie steht Michaela Eberhard zu Blutwerten?
Wie viel Vitamin C hat sie selbst genommen?
Damit kommen Sie einen Schritt weiter
Passende Artikel, die dieses Thema vertiefen — lesen Sie sich Stück für Stück ins Thema ein.

Curcumin nach AWMF S3-Leitlinie 2024: Die exakte Dosierungsanleitung
Die AWMF-Leitlinie 2024 nennt erstmals konkrete Dosen für Curcumin bei Arthrose: 1.000 mg/Tag Monotherapie oder 500 mg/Tag als Add-on.
Artikel lesen →
Heilpflanzen bei Gelenkbeschwerden: Nur vier von 35 Weiden taugen, sagt ein Apotheker
Apotheker Arnold Achmüller erklärt, welche Heilpflanzen er bei akuten und chronischen Gelenkbeschwerden einsetzt und wo er Grenzen sieht.
Artikel lesen →
Können Vitalpilze das Immunsystem im Gelenk beruhigen? Ein Biochemiker über Reishi, Cordyceps und Löwenmähne
Martin Auerswald nimmt seit Jahren Reishi, Cordyceps und Löwenmähne. Was er Vitalpilzen bei Arthrose und Rheuma zutraut, und wo Studien dünn sind.
Artikel lesen →