Die rote Lampe auf dem Küchentisch, zehn Minuten Wärme gegen die verstopfte Nase: So kennen viele Infrarotlicht aus der Kindheit. Doch für Johannes Kettelhodt, Ingenieur, Mitbegründer von Clearlight, ist diese Lampe fast ein Missverständnis. Infrarot sei zuerst Licht, nicht Wärme, und rotes Licht könne aus seiner Sicht in der Zelle mehr anstoßen als weite Gefäße. Beim Osteopathie Kongress erklärte er, wo Sauna, Wärmelampe und Rotlichtpaneel auseinandergehen und warum er beim Kauf zur Skepsis rät. Sein Gespräch trug den Titel „Vorteile von Infrarotlicht“; in voller Länge sehen Sie es kostenlos im Kongress. Ein Hinweis vorab: Kettelhodt stellt selbst Infrarotkabinen und Rotlichtgeräte her; dieser Artikel nennt keine Produkte und ordnet die Studienlage ein.
Licht ist ein Signal, kein Urteil
Warum macht ein Morgen am offenen Fenster wacher als der dritte Kaffee? Kettelhodt beginnt nicht beim Gerät, sondern bei der Biologie: Der Körper laufe mit Programmen, die Licht an- und abschalte, so selbstverständlich wie die Atmung.
Man muss aber auch verstehen, dass Licht nicht unbedingt gut oder schlecht ist. Licht ist einfach da und erfüllt verschiedene Funktionen.
Blaues Licht sei deshalb nicht der Feind, den viele darin sehen; mittags gehöre es zum Tag. Das Problem beginne abends, wenn LED-Lampen und Bildschirme dem Gehirn Mittag melden. Jedes Licht senke das Schlafhormon Melatonin, sagt Kettelhodt, auch Kerzenlicht; wer abends herunterfahren wolle, brauche den Sonnenuntergang: Kerzen, Kaminfeuer, sanftes Rot. Dass der Tagesrhythmus die Gesundheit prägt, vertritt im selben Kongress auch Dr. Birgit Stein im Interview über Rhythmisieren und Gesundheit.
Bleibt die Frage, was Infrarot eigentlich ist. Kettelhodts Antwort überrascht die meisten.
Wärme, die eigentlich Licht ist
Röntgenstrahlung, UV, sichtbares Licht, Infrarot: Für den Ingenieur ist das alles ein Spektrum elektromagnetischer Strahlung, unterschieden nur durch die Wellenlänge. Ein Teil davon ist sichtbar, der größere nicht. Infrarot liege jenseits des Roten und teile sich in nahes, mittleres und fernes Infrarot. Und es sei überall: Heizkörper geben es ab, ein Lagerfeuer, sogar die eigenen Handflächen, wenn man sie aneinander reibt und vors Gesicht hält.
Wichtig ist erst mal, dass es Infrarot überall gibt. Wir kennen es typischerweise in Form von Wärme. Aber technisch gesehen ist es eben Licht.
Der Unterschied liege darin, wie viel Energie die Bereiche tragen und wie tief sie eindringen: nahes Infrarot kurzwellig, intensiv und tief wirkend, fernes Infrarot das, was wir als Wärme auf der Haut spüren. Wärmelampen, Kabinen und Paneele bedienten sich alle aus diesem Spektrum, nur an verschiedenen Stellen.

Ein Spektrum, mehrere Tiefen: Rotes und nahinfrarotes Licht dringe tiefer in die Haut ein als fernes Infrarot, das vor allem an der Oberfläche als Wärme ankomme, beschreibt Johannes Kettelhodt.
Wenn Infrarot Licht ist, kann Licht dann in der Zelle etwas auslösen? Hier beginnt der umstrittene Teil des Gesprächs.
Der Streit um die Mitochondrien
Photobiomodulation heißt das Konzept, auf das Kettelhodt setzt: „Photo“ für Licht, „Modulation“ für Anregung. In der Haut säßen Rezeptoren, die auf bestimmte Wellenlängen reagieren, ähnlich wie Sonnenlicht die Bräunung anstoße. Zwei Bereiche seien entscheidend: rotes Licht zwischen 600 und 660 Nanometern und nahes Infrarot zwischen 800 und 860 Nanometern, in ausreichender Intensität auf nackter Haut. Dann würden die Mitochondrien angeregt, die Kraftwerke der Zellen, und produzierten mehr ATP, den Energieträger des Körpers.

Wenn wir als menschlicher Körper gut funktionieren wollen, wenn wir gut Energie aufbringen sollen oder wollen, dann kommen wir eigentlich auf kurz oder lang nicht an den Mitochondrien vorbei.
Daraus leitet Kettelhodt eine lange Liste ab: weniger oxidativer Stress, Entzündungslinderung, Kollagenbildung, schnellere Muskelerholung, Schmerzlinderung bei chronischen Gelenkentzündungen. Er räumt selbst ein, dass viele Studien nur Zusammenhänge zeigen. Die Redaktion hat diese Liste nicht geprüft und gibt sie als seine Sicht wieder.
Zur Einordnung: Die Photobiomodulation wird seit Jahrzehnten untersucht, meist mit Lasergeräten, selten mit LED-Paneelen für zu Hause, und die Ergebnisse sind gemischt. Ob sich Studien mit Lasern auf Paneele im Wohnzimmer übertragen lassen, ist offen.

Zur Einordnung: In einer Metaanalyse von 22 randomisierten, placebokontrollierten Studien mit 1.063 Teilnehmenden lag der Knieschmerz am Ende der Behandlung mit rotem und nahinfrarotem Laserlicht um 14,23 mm auf der 100-mm-Skala niedriger als unter Schein-Behandlung (95-%-Konfidenzintervall 7,31 bis 21,14), bei den von der Fachgesellschaft empfohlenen Dosen um 18,71 mm (9,42 bis 27,99) und in den 2 bis 12 Wochen danach um 23,23 mm (10,60 bis 35,86). Untersucht wurden Lasergeräte am Knie, keine LED-Paneele und keine Kabinen; die Autoren halten fest, dass die Leitlinien zur Kniearthrose das Verfahren nicht empfehlen. Quelle: Stausholm MB et al. 2019, BMJ Open 9(10):e031142, PMID 31662383.
Welche Behandlungen bei Arthrose die Leitlinien tragen, lesen Sie im Artikel Arthrose-Behandlung; was eine Arthrose von einer entzündlichen Arthritis unterscheidet, erklärt Arthrose: Was ist das?. Kettelhodt selbst zieht an dieser Stelle eine Grenze, die viele Käufer verwischen: die zwischen Sauna und Licht.
Sauna oder Paneel: zwei Geräte, zwei Prinzipien
„Rotlichtsauna“ hält Kettelhodt für einen irreführenden Begriff, weil eine Infrarotkabine praktisch kein rotes Licht enthalte. Sie sei eine Sauna, nur mit anderer Heizung: Statt Ofen und heißer Luft wärmten Infrarotstrahler den nackten Körper direkt, ein Durchgang von 20 bis 45 Minuten. Die Kerntemperatur steige dabei nach einer eigenen, unveröffentlichten Messung seiner Firma um bis zu anderthalb Grad; Schwitzen, Puls und Kreislauf reagierten wie in der klassischen Sauna. Für das Paneel gilt das nicht.
Beim Rotlicht geht es eigentlich eher um Licht. Dieses Paneel gibt zwar etwas Wärme ab, ich merke es, es ist schön warm. Ich komme aber nicht ins Schwitzen. Es kommt eigentlich nicht zu einer Herz-Kreislauf-Anregung.
Und die Lampe der Großmutter? Sie liege im Spektrum tatsächlich nahe am Infrarot, arbeite aber mit einem Glühkörper und damit über Hitze. Was man bei der Nasennebenhöhlenentzündung spüre, komme aus seiner Sicht von der Gefäßerweiterung durch Wärme, nicht aus der Zelle.
Es ist aber immer eine Wärmebehandlung. Und wir haben vor allem auch nicht diese beiden Wellenlängenbereiche.
Ein Hinweis der Redaktion: Saunagänge jeder Art gehören bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infekten oder in der Schwangerschaft in ärztliche Rücksprache. Bei Lichtgeräten gilt: nie direkt in die Lichtquelle schauen, Augenschutz benutzen, und wer lichtempfindlich ist, eine Hauterkrankung hat oder lichtsensibilisierende Medikamente nimmt, klärt die Anwendung vorher ärztlich ab. Kettelhodt selbst trägt nach eigener Aussage keine Schutzbrille, empfiehlt das aber nicht.
Der Hersteller, der vor dem Markt warnt
Der Twist kommt, als die Moderatorin nach billigen Geräten aus dem Internet fragt. Kettelhodt antwortet mit einer Warnung vor Marketing. Ob eine Lampe wirklich 660 Nanometer liefere oder 680, könne kein Käufer beurteilen; genau darauf komme es aber an, ebenso auf die Leistung pro Quadratzentimeter. Geräte, die mit „vier Wellenlängen“ werben, hält er für Augenwischerei, weil jede Lichtquelle ohnehin einen Bereich abstrahle. Sein Rat: Messwerte verlangen, auf Garantie achten. Und dann ein Satz, den man von einem Hersteller selten hört.
Ich bin natürlich nicht objektiv. Ich stehe für eine Firma. Ich stehe für ein Produkt. Das ist mir auch klar.
Im Kongressbeitrag folgen darauf Produkt- und Preishinweise; die Redaktion gibt sie nicht wieder. Gegenanzeigen sieht Kettelhodt bei Rotlicht kaum, abgesehen von Lichtempfindlichkeit, die man mit ein bis zwei Minuten am Unterarm testen könne. Und er zieht dem Gerät selbst die Grenzen.
Es ist auch nicht der heilige Gral, das möchte ich auch noch mal sagen. Das kann nicht Schlaf ersetzen, das kann nicht gutes Wasser ersetzen, das kann nicht Sonnenlicht ersetzen.
Wie Schmerz ohne Medikamente behandelt werden kann, beleuchtet aus demselben Kongress Dr. med. Dieter Sielmann im Interview über medikamentenfreie Schmerztherapie.
Was Sie aus dem Gespräch mitnehmen können
Johannes Kettelhodt trennt drei Dinge, die im Alltag in einen Topf fallen: die Wärmelampe, die über Hitze wirkt; die Infrarotkabine, die den Körper wie eine Sauna erwärmt; und das Rotlichtpaneel, das mit zwei Wellenlängenbereichen in der Zelle etwas anstoßen soll. Das dritte Prinzip ist das umstrittene: uneinheitliche Ergebnisse, meist mit Lasern statt Paneelen erhoben, und keine Empfehlung in den Leitlinien zur Kniearthrose.
Unstrittig ist der erste Teil seines Gesprächs: morgens Tageslicht, abends weniger blaues Licht. Das kostet nichts. Wer über ein Gerät nachdenkt, nimmt seinen eigenen Rat mit: Messwerte verlangen, Marketing hinterfragen, ärztlich abklären. Und nichts ersetzt Schlaf, sagt der Mann, der davon lebt, Licht zu verkaufen.
Dieser Artikel gibt Aussagen aus einem Kongress-Interview journalistisch wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Johannes Kettelhodt ist Ingenieur und Mitbegründer eines Herstellers von Infrarotkabinen und Rotlichtgeräten, kein Arzt; seine Aussagen zur Wirkung sind seine Sicht, die Studienlage ist uneinheitlich. Saunagänge und Lichtanwendungen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infekten, Hauterkrankungen, lichtsensibilisierenden Medikamenten, Krebserkrankungen oder in der Schwangerschaft gehören in ärztliche Rücksprache; anhaltende Gelenk- oder Rückenschmerzen, Schmerzen nach einem Sturz, Lähmungen oder Fieber klären Sie ärztlich ab.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Infrarotlicht und Rotlicht?
Wirkt die alte Rotlichtlampe genauso wie ein Rotlichtpaneel?
Ist die Wirkung von Rotlicht auf die Mitochondrien wissenschaftlich belegt?
Was unterscheidet eine Infrarotkabine von einer klassischen Sauna?
Gibt es Gegenanzeigen für Rotlichtgeräte?
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