„Detox“ steht heute auf Teebeuteln und Saftflaschen. Doch die Idee, den Körper gezielt zu entlasten, ist älter als jeder Trend, und sie hat aus Sicht von Eva Fauma, Ernährungswissenschaftlerin & Autorin, einen unterschätzten Helfer: den Pilz. Beim Myzel Kongress sprach sie über Leber, Niere und Darm und darüber, wie Heilpilze diese Entgiftungsorgane anregen sollen. Das vollständige Gespräch gibt es dort als Aufzeichnung.
Ausleiten ist älter als jeder Detox-Trend
Wie lange kennen Menschen die Idee, Belastendes wieder loszuwerden? Fauma spannt in ihren Lehrgängen einen Bogen über zehntausend Jahre, mit der griechischen Antike als Knotenpunkt.
Ausleitungsverfahren sind jene Verfahren, wo man versucht hat, etwas aus dem Körper wieder auszuscheiden, durch verschiedenste Methoden.
Erbrechen, Klistiere, Schwitzen, das Anregen von Nieren und Lymphe: Manches klingt fremd, anderes lebt in Sauna und Blutegeltherapie fort. Auch der Birkenporling, den Ötzi bei sich trug, gehört für Fauma dazu; sie beschreibt ihn als einen der besten Pilze bei gereizter Magen- und Darmschleimhaut.
Heute drehe sich Ausleiten um Leber und Niere. Bitterstoffe regten Leber und Galle an, und dort ließen sich Pilze ebenso einsetzen, als Tee, Pulver oder Mahlzeit. Die zentrale Bühne bleibe der Darm, in dem nach ihren Worten 70 bis 80 Prozent der Immunzellen sitzen.
Was aber bringt ein Pilz mit, das eine Pflanze nicht hat?
Chitin: der Ballaststoff aus dem Insektenpanzer
Pflanzen liefern Zellulose, Hemizellulose, Pektin und Lignin, so sortiert Fauma die Ballaststoffe. Tiere und Menschen bilden kaum eigene. Pilze stünden dazwischen.
Die Pilze haben so eine Mischform, die enthalten nämlich auch das Chitin. Und dieses Chitin findet man einerseits als einzigen Ballaststoff im tierischen Panzer der Insekten.
Chitin werde nicht vollständig aufgenommen und stelle sich im Darm quer; dazu kämen Beta-Glucane, Terpene, B-Vitamine und Mineralstoffe. Den Weg beschreibt Fauma in zwei Strängen. Im Darm quellen die Fasern, sorgen für Stuhlvolumen und würden von Bakterien zu kurzkettigen Fettsäuren umgebaut, die den pH-Wert senken und die Darmflora füttern. Bitterstoffe regten die Leber an, mehr Galle zu bilden, und die Galle könne fett- wie wasserlösliche Stoffe binden, darunter Medikamentenreste und Schwermetalle, und in den Darm abtransportieren.

Zwei Wege, ein Ziel: Pilzfasern quellen im Darm und geben den Immunzellen der Darmwand einen Reiz, Bitterstoffe regen die Leber zur Gallebildung an, und die Galle bindet, was der Körper loswerden soll. So beschreibt Eva Fauma die Route der Ausleitung.
Ein Hinweis der Redaktion: Dass eine angeregte Gallebildung messbar mehr Schadstoffe aus dem Körper schafft, ist nicht belegt; das Modell stammt aus der traditionellen Medizin, die Fauma lehrt.
Und die berühmte Schwerverdaulichkeit? Fauma verweist auf die Hitze: Je länger ein Pilz koche oder als Tee ausziehe, desto verträglicher werde er. Rohe Pilze sieht sie skeptisch, ganz frische Champignons ausgenommen. Dann folgt der Satz, der ihr Verständnis von Heilpilzen zusammenfasst:
Es ist Medizin, und Medizin nimmt man nicht auf einmal in großen Mengen ein, sondern über den Tag verteilt in kleinen Mengen.
Also lieber mittags und abends ein paar Pilze mitschnipseln als einmal die Woche einen Berg davon.
Bleibt die Frage nach der Form: aus der Pfanne, getrocknet, als Tee oder aus dem Fläschchen?
Vom Pilzpulver bis zum Dualextrakt
Faumas Lieblingsform ist die Küche. Bleibt vom Shiitake etwas übrig, trocknet sie ihn im Backofen oder an der Luft, mahlt ihn in einer Kaffeemühle und nutzt das Pulver als Würze.
Ich nehme das Pilzpulver, allein das in Butter auf einem Brot. Ich schwör’s, das ist ein Hit.
So kämen Ballaststoffe und Beta-Glucane in Suppen und Soßen, ohne dass jemand eine Kapsel schlucken müsse. Wer Pilze nicht mag, für den nennt sie Kapseln und Extrakte, besonders Dualextrakte: angenehm im Geschmack, wie Honig ins Wasser zu rühren, passend für Menschen, die keine Kapseln mehr schlucken können.
Diese Extrakte brauche ich eigentlich nur einmal am Tag einnehmen und kriege eigentlich eine Bombe an Nährstoffen auf kleinstem Raum, auf einem Löffel, der gut schmeckt.
Eines leiste der Extrakt nicht: Die quellenden Fasern fehlen, bei Verstopfung sei er deshalb nicht das Thema. Dafür gelange er schnell ins Blut, während der ganze Pilz nur zum Teil aufgenommen werde und kontinuierlich auf den Teller gehöre.
Beim Cholesterin bleibt Fauma zurückhaltend. Langkettige Polysaccharide wie Chitin könnten tierische Fette binden; von 300 auf 180 gehe es damit nicht, bei ernährungsbedingt erhöhten Werten hält sie 15 bis 20 Prozent für erreichbar. Zur Einordnung: Belegt ist ein solcher Effekt vor allem für Beta-Glucane aus Hafer und Gerste, für Pilze ist die Studienlage dünn. Wie sich Nahrungsergänzung nach Evidenz sortieren lässt, zeigt unser Artikel über Supplemente bei Arthrose.
Was aber macht das Immunsystem mit all diesen Fasern?
Ein Feuer, das man halten muss, ohne es zu überhitzen
Fauma kommt im Gespräch immer wieder auf Stress zurück. Stress produziere Hitze und freie Radikale; ein paar davon brauche der Körper, zu viele bedeuteten unterschwellige Entzündung, Müdigkeit, seltenen Stuhlgang. Fasten und Ausleiten seien für sie Wege, sich davon zu erholen, gern mit Pilztee. Die Redaktion ergänzt: Wer Medikamente nimmt oder chronisch krank ist, fastet nie ohne ärztliche Rücksprache.
Das Immunsystem beschreibt sie als lernendes System, das Reize braucht, um nicht schläfrig zu werden. Hier setzt ihr Bild vom Chitin als nützlichem Störenfried an:

Das Chitin, wovon wir wieder profitieren, weil das regt jetzt wieder unser Immunsystem im Darm an. Wir brauchen Substanzen, die auch so ein bisschen Querdenker sind, die sich ein bisschen quer stellen.
Wird das Immunsystem überfordert, könne es nach ihrer Darstellung kippen, in einen Kollaps, den sie mit Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto oder dem rheumatischen Formenkreis verbindet. Hier setzt sie auf Pilze wie den Reishi, um den Körper, wie sie es nennt, zu kühlen; auch bei Allergien berichtet sie von guten Erfahrungen. Das sind Beobachtungen aus ihrer Beratung; kontrollierte Studien am Menschen gibt es dazu kaum, und eine ärztlich verordnete Therapie ersetzt kein Pilz. Wie ein Fermentations-Experte den Darm mit den Gelenken verbindet, lesen Sie im Interview mit Paul Seelhorst.
Welche Pilze nimmt Fauma nun für welches Organ? Ihre Liste ist überraschend konkret.
Sechs Pilze, sechs Aufgaben
Der Shiitake steht bei Fauma an erster Stelle. Sie ordnet ihn dem Schutz der Leberzelle zu und nennt ihn beim Cholesterin, bei erhöhter Harnsäure und bei Gelenkentzündungen. Champignon und Mandelpilz gelten ihr als schmackhafte Speisepilze; alte Champignons könnten allerdings Vergiftungssymptome auslösen.
Ihr persönlicher Favorit ist der Igelstachelbart, auch Hericium genannt.
Allein von seiner Struktur, wie er ausschaut und wie er riecht, das ist jedes Mal eine Explosion an Düften. Den liebe ich.
Mit ihm hat sie nach eigenen Worten die meiste Erfahrung: bei gereizter Magen- und Mundschleimhaut sowie bei unruhigen Nerven, die auf den Magen schlagen. Den Reishi nimmt sie als Tee, Pulver oder Extrakt, seine sperrigen Fasern regten das Stuhlvolumen an. Den Maitake kombiniert sie mit Mariendistel für die Leber. Der Eichhase (Polyporus) ist ihr Pilz für Lymphe und Niere. Der Cordyceps gehe, wie der Volksmund sagt, an die Nieren: Er rege Nebennieren und Ausscheidung an.
Alle Zuordnungen sind Erfahrungswerte aus Faumas Praxis, keine geprüften Indikationen. Wer Wildpilze sammelt, isst nur, was sicher bestimmt ist. Welche Wirkstoffe in den einzelnen Arten stecken, erklärt Philip Rebensburg im Interview über die Chemie der Pilze aus demselben Kongress.
Was Sie aus dem Gespräch mitnehmen können
Eva Fauma denkt Heilpilze von der Küche her. Der Pilz bringt mit dem Chitin einen Ballaststoff mit, den Pflanzen nicht haben; er soll im Darm quellen, die Darmflora füttern und dem Immunsystem einen kleinen Reiz geben, während Bitterstoffe aus ihrer Sicht die Leber anregen. Ihre Regeln: erhitzen statt roh essen, kleine Mengen über den Tag, Reste trocknen und pulverisieren. Ihre Organ-Zuordnungen sind Beobachtungen, keine Studienergebnisse. Wie eine Ernährung aussieht, die Gelenke und Darm zugleich im Blick hat, zeigt unser Überblick zur Ernährung bei Arthrose.
Wer Pilzextrakte selbst ansetzen möchte, findet bei Josh Finzel im Interview über Pilztinkturen aus demselben Kongress die Grundlagen.
Dieser Artikel gibt Aussagen aus einem Kongress-Interview journalistisch wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Eva Fauma ist Ernährungswissenschaftlerin, keine Ärztin. Fastenkuren, Heilpilz-Präparate und Extrakte werden bei Vorerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, in der Schwangerschaft oder neben Medikamenten nur nach ärztlicher Rücksprache eingesetzt; verordnete Medikamente werden nie eigenmächtig abgesetzt. Anhaltende Verdauungsbeschwerden, Blut im Stuhl, Fieber oder ungewollter Gewichtsverlust gehören zeitnah in ärztliche Abklärung.
Häufige Fragen
Was versteht Eva Fauma unter Ausleitung oder Entgiftung?
Was macht Pilze aus ihrer Sicht zu einem besonderen Ballaststoff-Lieferanten?
Sind Pilze nicht schwer verdaulich?
Was ist ein Dualextrakt, und wofür eignet er sich nach Faumas Erfahrung?
Welche Pilze empfiehlt sie für welches Organ?
Kann man mit Heilpilzen Medikamente ersetzen oder Fasten begleiten?
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