Gesund essen, ordentlich schlafen, ein bisschen Bewegung. Viele tun längst, was auf jeder Gesundheitsliste steht, und sind trotzdem müde, vernebelt, wenig belastbar. Doch die Antwort darauf sei nicht noch mehr Disziplin. Beim Stille Entzündungen Kongress zogen Clara Carey & Barbara Plaschka, Biologin und Ernährungswissenschaftlerin (Clara) & Diplom-Biologin & Mikronährstoffcoach (Barbara), im Abschlussgespräch „Dein Leben ohne Entzündungen: Der ultimative Fahrplan für echte und dauerhafte Gesundheit“ Bilanz. Ihr roter Faden: Ob Nährstoffe in der Zelle ankommen, entscheide über alles Weitere. Das vollständige Gespräch ist als Aufzeichnung im Kongress zu sehen.
Viele Beschwerden, ein gemeinsamer Nenner
Was bleibt hängen nach gut dreißig Gesprächen mit Ärzten, Therapeuten und Wissenschaftlern? Für Clara Carey ein Muster. Erschöpfung, Verdauungsprobleme, hormonelle Beschwerden, Konzentrationsschwäche: Ganz verschiedene Klagen führten nach ihrer Beobachtung immer wieder auf stille Entzündungen, Zellstress und einen Körper im Dauer-Alarmmodus zurück. Symptome seien keine Fehler, sondern intelligente Signale. Und hier widerspricht Carey der üblichen Reaktion.
Viele Menschen denken heute, sie müssen einfach nur disziplinierter sein, sich noch gesünder ernähren, noch mehr optimieren. Aber oft fehlt nicht noch mehr Kontrolle, sondern es fehlt einfach die richtige Grundlage.
Was aber ist diese Grundlage? Barbara Plaschka antwortet mit Bildern.
Der Körper als Unternehmen, die Zellmembran als Haus
Plaschka erklärt lieber in Bildern als in Biochemieformeln. Ihr erstes: Der Körper sei ein Unternehmen, die Zellen seien seine Mitarbeiter, und eine schlecht versorgte Leberzelle arbeite so wenig wie ein Mitarbeiter ohne Material. Der Trost darin: Zellen erneuern sich. Plaschka greift dafür das Wort „Zellmauser“ auf, das Prof. Dr. med. Clemens von Schacky im Kongress geprägt hatte; was er selbst dazu sagt, lesen Sie im Interview über den Omega-3-Index.
Ihr zweites Bild gilt der Hülle jeder Zelle. Die Zellmembran sei eine Schutzhülle aus Fettsäuren; auf Fett zu verzichten sei deshalb keine Option, weil man der Membran die Bausubstanz entziehe.
Die gesättigten Fettsäuren kannst du dir als Ziegelsteine und Holzbalken vorstellen. Die geben Struktur und Stabilität. Und die Fenster und Türen, das sind die Omega-3-Fettsäuren. Die machen das Ganze funktionsfähig.
Erst durch diese Fenster werde die Membran geschmeidig, „fluid“, und lasse Stoffe hinein und hinaus. Kämen die Nährstoffe nicht durch, fehle der Zelle die Energie, und die Abteilung ziehe den ganzen Laden mit herunter.

Fenster und Türen der Zelle: Links lassen viele geknickte Omega-3-Ketten die Hülle geschmeidig, Nährstoffe gelangen durch offene Kanäle ins Zellinnere. Rechts ist die Membran starr, die Nährstoffe stauen sich außen. So beschreibt Barbara Plaschka ihr Bild von der Zellmembran.
Dass ein niedriger Omega-3-Anteil die Aufnahme anderer Nährstoffe pauschal blockiere, ist ihre Deutung; die Lehrbuchbiologie beschreibt nur, dass ungesättigte Fettsäuren die Membran beweglicher machen.
Doch selbst eine geschmeidige Hülle nützt wenig, wenn drinnen die Werkzeuge fehlen.
Handwerker ohne Werkzeugkoffer
Carey geht in die Zelle hinein. Enzyme seien die Handwerker des Körpers: Sie stellten Energie her, bauten Hormone, reparierten, entgifteten. Aber wie jeder Handwerker brauchten sie Werkzeug, die Kofaktoren: Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Fettsäuren.
Viele Menschen essen eigentlich gar nicht so schlecht, aber ihre Zellen haben trotzdem nicht alles zur Verfügung, was sie wirklich brauchen. Und genau deshalb reicht es eben oft nicht aus, einfach nur gesund zu essen.
Entscheidend sei, ob die Stoffe aufgenommen würden und der Zelle zur Verfügung stünden. In ihrer Arbeit schaue sie deshalb individueller hin, gestützt auf Messwerte. Plaschka ergänzt trocken, der beste Handwerker sei nichts wert, wenn er seinen Werkzeugkoffer im Auto vergesse. Welche Bestandteile der Nahrung im Gelenk wirken, beschreibt unser Artikel über Arthrose und Ernährung. Woher aber weiß man, ob die Werkzeuge ankommen? Beide erlebten an sich selbst, dass das Gefühl täuschen kann.
Schätzen oder messen?
Beide essen nach eigener Aussage bewusst. Trotzdem habe es ihnen beim ersten Test der eigenen Fettsäureversorgung „die Schuhe ausgezogen“, sagt Plaschka. Carey erklärt sich das so:
Wir haben einfach lange gelernt, Gesundheit einfach zu schätzen, anstatt zu messen. Also wenn der Arzt sagt, es ist alles okay, dann finden wir uns da gerne mit ab.
Stille Entzündungen sehe man nicht sofort, der Körper kompensiere lange. Viele funktionierten jahrelang irgendwie, bis Müdigkeit oder Erschöpfung überhandnähmen. Spätestens dann sei der Zeitpunkt, den Omega-3-Index zu bestimmen, statt blind zu supplementieren. Plaschka ergänzt, der Test sei ein kleiner Pieks in den Finger für zu Hause; das große Nährstoffbild beim Arzt lasse sie einmal im Jahr machen.
Ein Hinweis der Redaktion: Ein Selbsttest ersetzt keine ärztliche Diagnostik. Anhaltende Müdigkeit, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber oder Nachtschweiß gehören in die Arztpraxis. Und wie eng der Omega-3-Index mit stillen Entzündungen zusammenhängt, ist weniger gesichert, als es im Gespräch klingt; belegt ist er vor allem in der Herzforschung.
Geduld statt 27 Anwendungen
Was ändert sich, wenn der Wert vorliegt? Vielen gehe es wie ihr, sagt Plaschka, der Index liege „im Keller“. Dann werde nach Körpergewicht dosiert. Und dann komme das Schwierigste.
Nährstoffe wirken nicht über Nacht. Wir sind es von Medikamenten gewohnt. Du hast irgendetwas, schmierst dir eine Salbe hin und zwei Tage später siehst du es nicht mehr. So funktionieren Nährstoffe nicht. Der Körper muss das erst einmal verdauen, der muss das aufnehmen, der muss das einbauen.
In ihrem Coaching sei daraus eine Regel geworden: erst drei bis vier Monate die Versorgung auffüllen, dann die Arbeit an Glaubenssätzen und Zielen. Gut versorgt sieht sie Menschen bei einem Index von acht bis neun Prozent. Wer „mental im Keller“ sei, dem könne man keine 27 Anwendungen verordnen. Drei Nährstoffe nennt sie ihre Lieblinge: Omega-3, Magnesium und Vitamin D. Die Effekte auf Stimmung und Zyklus, die sie bei Klientinnen beobachtet, sind Coaching-Erfahrung; eine Studie nennt das Gespräch nicht.
Ein zweiter Hinweis der Redaktion: Eine Nahrungsergänzung in höherer Dosis, zumal nach Körpergewicht berechnet, gehört in ärztliche oder therapeutische Rücksprache. Das gilt besonders für Vitamin D, für Omega-3-Präparate bei Blutverdünnern und in der Schwangerschaft. Was Meta-Analysen zu Omega-3 und Vitamin D sagen, fasst unser Artikel über Supplemente bei Arthrose zusammen.
Der Fahrplan für die Zeit danach
Zum Schluss fragte Plaschka ihre Kollegin nach dem einen Schritt, den man jetzt tun könne. Careys Antwort beginnt beim Hinhören: den eigenen Körper ernst nehmen und nicht warten, bis eine Diagnose komme. Ständige Müdigkeit, Nebel im Kopf, Verdauungsbeschwerden seien keine Dinge, die man hinnehmen müsse. Der zweite Schritt heiße Klarheit: nicht Trends hinterherlaufen, sondern gezielt fragen, wie es um Mikrobiom, Versorgung, Zellen und Omega-3-Index stehe. Niemand solle mit Angst aus dem Kongress gehen, sondern mit Hoffnung.
Ob man Darm und Zellen wirklich vor Detox, Paleo oder Intervallfasten klären müsse, wollte Carey von Plaschka wissen. Die Antwort fiel knapp aus.

Darmgesundheit und Zellgesundheit. Wenn ich an denen vorbeifahre, dann fallen die ganzen anderen Bemühungen auf keinen fruchtbaren Boden.
Man könne es einfacher haben, sagt sie, nur nicht über Nacht. Im Alltag heißt das bei Carey: Tageslicht am Morgen, ein eiweißreiches Frühstück, Ballaststoffe zum ersten Glas Wasser; bei Plaschka statt Kaffee lauwarmes Zitronenwasser und später eine Schüssel mit Haferflocken, Beeren und Nüssen. Gewohnheiten, keine Vorschriften.
Was Sie aus dem Gespräch mitnehmen können
Die beiden Biologinnen drehen die übliche Reihenfolge um: nicht das nächste Programm, sondern zuerst die Frage, ob die Zellen bekommen, was man ihnen zuführt. Ihr Fahrplan: Signale ernst nehmen, Versorgung messen statt schätzen, Darm und Zellen zuerst, dann Geduld über Monate. Die offenen Stellen hat die Redaktion markiert. Was stille Entzündungen aus ärztlicher Sicht sind, erklärt Dr. med. Patrick Assheuer im Interview über den unsichtbaren Feind aus demselben Kongress.
Dieser Artikel gibt Aussagen aus einem Kongress-Interview journalistisch wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung. Clara Carey und Barbara Plaschka sind Biologinnen und Coaches, keine Ärztinnen. Selbsttests ersetzen keine ärztliche Diagnostik; anhaltende Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtsverlust oder Fieber gehören in ärztliche Abklärung. Nahrungsergänzungsmittel, zumal in höherer Dosierung, werden nicht ohne ärztliche oder therapeutische Rücksprache eingenommen; verordnete Medikamente werden nie ohne Rücksprache verändert.
Häufige Fragen
Was war für die beiden Gastgeberinnen die wichtigste Erkenntnis des Kongresses?
Warum reicht es laut Clara Carey nicht, einfach gesund zu essen?
Was meint Barbara Plaschka mit den Fenstern und Türen der Zelle?
Was ist der Omega-3-Index und warum empfehlen die beiden, ihn zu messen?
Wie schnell wirken Nährstoffe nach Ansicht von Barbara Plaschka?
Womit sollte man nach dem Kongress beginnen?
Damit kommen Sie einen Schritt weiter
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