Diagnostik

Kellgren-Lawrence-Grad

Internationaler Standard zur radiologischen Stadieneinteilung der Arthrose – 5 Stufen von Grad 0 (gesund) bis Grad 4 (Knochen auf Knochen).

Die Kellgren-Lawrence-Klassifikation (KL-Score) ist seit 1957 der internationale Standard zur radiologischen Einteilung der Arthrose. Sie bewertet Röntgenbilder anhand von vier Merkmalen — und teilt die Arthrose in fünf Stadien ein (Grad 0 bis Grad 4).

Die vier Bewertungskriterien

  1. Gelenkspaltverschmälerung (Joint Space Narrowing) — Indikator für Knorpelverlust
  2. Osteophyten — knöcherne Ausziehungen an den Rändern
  3. Subchondrale Sklerose — Verdichtung des Knochens unter dem Knorpel
  4. Knochendeformität — strukturelle Veränderung der Gelenkkontur

Die fünf Grade

Grad 0 – Keine Arthrose

Vollkommen unauffälliges Röntgenbild. Gesunder Befund.

Grad 1 – Fraglich / Beginnend

Sehr geringe Gelenkspaltverschmälerung, eventuell beginnende kleine Osteophyten. Klinisch oft beschwerdefrei oder nur leichte Symptome.

Grad 2 – Leicht

Definite kleine Osteophyten, leichte aber sichere Gelenkspaltverschmälerung. Erste manifeste Beschwerden, leichter Anlaufschmerz.

Grad 3 – Mäßig

Deutliche Gelenkspaltverschmälerung (mindestens 50 %), moderate bis multiple Osteophyten, beginnende subchondrale Sklerose. Belastungsschmerzen, gelegentlich Ergüsse.

Grad 4 – Schwer

Fast vollständig verlorener Gelenkspalt („Knochen auf Knochen”), massive Osteophyten, ausgeprägte Knochendeformität. Massive Beschwerden, oft OP-Indikation — aber nicht zwingend.

Wichtig: Der Grad sagt nichts über Ihren Schmerz aus

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der modernen Orthopädie: Der KL-Grad korreliert nicht zuverlässig mit der Schmerzintensität. Das ist das berühmte „klinisch-radiologische Paradoxon”.

Es gibt Patient:innen mit:

  • KL-Grad 4 und milden Beschwerden — kräftige Muskulatur, ruhige Synovialis
  • KL-Grad 2 und massiven Schmerzen — aktive Synovialitis, Knochenmarködem

Konsequenz: Therapie und OP-Entscheidungen werden am klinischen Bild und am Leidensdruck orientiert — nicht am Röntgenbild allein.

Wie das Röntgen richtig gemacht wird

Wichtig: Bei der Bewertung des KL-Grades am Knie oder an der Hüfte muss das Röntgen im Stehen (unter Belastung) angefertigt werden. Im Liegen werden die Gelenkflächen unbewusst auseinandergezogen, und der KL-Grad wird systematisch unterschätzt. Zusätzlich empfiehlt sich die Rosenberg-Aufnahme bei 45° Beugung, um frühe dorsale Knorpelverluste zu erkennen.