Rosenberg-Aufnahme
Spezielle Röntgenaufnahme des Knies bei 45° Beugung – zeigt frühe Knorpelverluste am hinteren Femurkondylus, die sonst übersehen werden.
Die Rosenberg-Aufnahme (benannt nach dem amerikanischen Radiologen Thomas D. Rosenberg) ist eine spezielle Röntgentechnik des Kniegelenks, die frühe Knorpelverluste sichtbar macht, die im klassischen gestreckten Röntgen oft übersehen werden.
Wie sie gemacht wird
Anders als das Standard-Röntgen wird die Rosenberg-Aufnahme:
- Im Stehen (unter Belastung)
- Bei 45° Kniebeugung
- Im anterior-posterior (a.p.) Strahlengang
Der Patient/die Patientin steht aufrecht, beide Knie 45° gebeugt, das Gewicht gleichmäßig verteilt. Der Röntgenstrahl trifft das Knie von vorne.
Warum diese Position so wichtig ist
Das klassische gestreckte Röntgen (Knie ausgestreckt im Stehen) zeigt nur den vorderen Anteil der Gelenkflächen. Das Problem: Bei beginnender Kniearthrose verschleißt der Knorpel oft zuerst am hinteren Anteil der Femurkondylen — also genau dort, wo das gestreckte Röntgen blind ist.
Die Rosenberg-Aufnahme bei 45° Beugung bringt den dorsalen (hinteren) Femurkondylus in die Hauptbelastungsposition — und macht den Knorpelverlust dort sichtbar.
Klinische Bedeutung
Hochsensitiv für frühe Arthrose
Studien haben gezeigt: Die Rosenberg-Aufnahme erkennt:
- Frühe Gelenkspaltverschmälerungen Monate bis Jahre, bevor sie im Standard-Röntgen sichtbar werden
- Posteriore Knorpelschäden, die klinisch oft als Belastungsschmerz beim Treppensteigen (besonders bergab) imponieren
AWMF-Leitlinien-Empfehlung
Die deutsche S3-Leitlinie zur Gonarthrose empfiehlt die Rosenberg-Aufnahme zur Bewertung der Knorpelverhältnisse — sie sollte zur Standarduntersuchung gehören, wenn ein Patient/eine Patientin mit Verdacht auf Kniearthrose zur Bildgebung kommt.
Konsequenz: Was Patient:innen wissen sollten
Wenn Ihre Praxis nur ein Standard-Röntgen im Stehen oder Liegen macht und der Befund „unauffällig” ist — Sie aber deutliche Beschwerden haben —, fragen Sie nach einer Rosenberg-Aufnahme. Sie ist:
- Strahlenarm
- Kostengünstig
- Schmerzlos
- Sehr aussagekräftig
Eine übersehene frühe Arthrose ist eine verpasste Chance — denn gerade im KL-Grad 1–2 sind die konservativen Therapien (Bewegung, Gewicht, Naturheilkunde) am wirksamsten.