Diagnostik

Zohlen-Zeichen

Klinischer Test bei Kniearthrose: Druck auf die Kniescheibe + Quadrizepsanspannung – positiv bei retropatellarer Arthrose.

Das Zohlen-Zeichen (benannt nach dem deutschen Orthopäden Otto Zohlen) ist ein klinischer Untersuchungstest, der Hinweise auf eine retropatellare Arthrose (Arthrose hinter der Kniescheibe) gibt. Er ist Teil der Standard-Knieuntersuchung bei Verdacht auf femoropatellaren Befall.

Wie der Test durchgeführt wird

  1. Der Patient/die Patientin liegt mit gestrecktem Bein auf der Untersuchungsliege
  2. Die Hand der Ärztin/des Arztes drückt die Kniescheibe (Patella) nach unten Richtung Oberschenkel, leicht nach distal
  3. Der Patient/die Patientin wird gebeten, den Quadrizeps-Muskel anzuspannen — also das Bein gerade zu strecken und „die Kniescheibe nach oben zu ziehen”

Was der Test prüft

Beim Anspannen versucht die Patella, sich nach oben zu bewegen. Wird sie aktiv nach unten gedrückt, reibt sie verstärkt gegen die Femurkondylen — also die Knorpelfläche direkt darunter.

  • Bei gesundem retropatellarem Knorpel: kein Schmerz
  • Bei retropatellarer Arthrose: deutlicher Schmerz unter und um die Kniescheibe

Was ein positives Zohlen-Zeichen bedeutet

Ein positives Zohlen-Zeichen ist ein Hinweis auf:

  • Retropatellararthrose (Arthrose hinter der Kniescheibe)
  • Femoropatellares Schmerzsyndrom (auch ohne Arthrose, bei jüngeren Patient:innen)
  • Knorpelschäden an der Patella-Rückseite (Chondropathia patellae)

Differenzialdiagnose

Ein positives Zohlen-Zeichen allein ist nicht beweisend — es passt zu mehreren Diagnosen. Zur weiteren Abklärung:

  • Klinik: Wie ist der Treppensteig-Schmerz? Bergab schlimmer? → typisch für retropatellar
  • Röntgen: Patella-Tangentialaufnahme zeigt den femoropatellaren Knorpelraum
  • MRT: bei unklarem Befund oder vor Operationen

Klinischer Kontext

Das Zohlen-Zeichen ist nur ein Mosaikstein der klinischen Untersuchung. Eine erfahrene Ärztin ergänzt:

  • Druckschmerz am medialen und lateralen Gelenkspalt
  • Bewegungsausmaß
  • Bandstabilitätstests
  • Crepitatio-Prüfung
  • Achsenbeurteilung (O-/X-Bein)

In Kombination ergibt sich ein klinisches Gesamtbild — und das ist nach AWMF-Leitlinien deutlich aussagekräftiger als jedes einzelne Bildgebungsverfahren.

Limitations

Das Zohlen-Zeichen hat eine moderate Sensitivität, aber geringe Spezifität — auch bei Gesunden kann es positiv ausfallen, wenn der Druck zu stark ist. Daher: Der Test gehört zur strukturierten Untersuchung, ist aber nicht allein-entscheidend.