Anatomie

Hoffa-Fettkörper

Das Fettpolster unterhalb der Kniescheibe – kein passiver Puffer, sondern ein hochaktives endokrines Organ, das die Kniearthrose biochemisch antreibt.

Der Hoffa-Fettkörper (lat. Corpus adiposum infrapatellare) ist ein Fettgewebspolster, das unterhalb der Kniescheibe (Patella) im Kniegelenk sitzt. Lange galt er als reiner mechanischer Puffer — heute weiß die Wissenschaft: Er ist ein hochaktives endokrines Organ, das beim Knorpelabbau eine zentrale Rolle spielt.

Anatomie

Der Hoffa-Fettkörper:

  • Liegt direkt hinter der Patellarsehne, also vor dem Kniegelenk
  • Reicht in die Gelenkhöhle hinein — er ist eine intraartikuläre Struktur
  • Hat eine ungefähre Größe von 5 × 3 × 2 cm beim Erwachsenen
  • Ist gut durchblutet und reich an Nervenfasern

Die alte Sicht: Mechanischer Puffer

Über Jahrzehnte wurde dem Hoffa-Fettkörper nur eine biomechanische Funktion zugeschrieben:

  • Polsterung beim Aufprall
  • Ausfüllen toter Räume im Gelenk
  • Mechanische Stabilisierung der Patella

Diese Funktionen sind real — aber sie sind nicht das Wichtigste.

Die neue Sicht: Endokrines Organ

Forschung der letzten 15 Jahre hat gezeigt: Der Hoffa-Fettkörper ist stoffwechselaktiv und produziert eine Vielzahl bioaktiver Substanzen, die direkt ins Gelenk abgegeben werden:

Was er produziert

  • Leptin — induziert MMPs, fördert Chondrozyten-Apoptose
  • Resistin — treibt Synovialitis an
  • IL-6, TNF-α — proinflammatorische Zytokine
  • MMP-Enzyme — Knorpelabbau-Werkzeuge

Warum das einen Unterschied macht

Adipokine aus dem viszeralen Bauchfett müssen über den Blutkreislauf zum Knie gelangen. Der Hoffa-Fettkörper sezerniert direkt ins Gelenk — ohne Umweg, ohne Verdünnung.

Das erklärt:

  • Warum Knieschmerzen bei Übergewicht so dramatisch sein können
  • Warum die Kniearthrose oft biochemisch aktiv ist, auch wenn der Patient sich „nicht so übergewichtig” fühlt
  • Warum lokale anti-entzündliche Therapien (topische NSAR, Curcumin systemisch) auch dann wirken, wenn die mechanische Komponente gering ist

Klinische Relevanz

Hoffa-Syndrom

Wenn der Hoffa-Fettkörper mechanisch gereizt wird (z. B. durch wiederholte Mikrotraumata), kann es zu einer eigenständigen schmerzhaften Entzündung kommen — dem Hoffa-Syndrom. Symptome: Schmerz an der Vorderseite des Knies, besonders beim Strecken.

Operative Entfernung — nicht empfohlen

Lange wurde der Hoffa-Fettkörper bei Knie-OPs großzügig entfernt. Heute weiß man: Das schadet mehr als es nützt — der Stoßdämpfer fehlt, die Propriozeption verschlechtert sich. Moderne Chirurgie behält ihn so weit wie möglich.

Therapie

Indirekt: Gewichtsreduktion verringert nicht nur das viszerale Fettgewebe, sondern auch die Größe des Hoffa-Fettkörpers — und damit seine Adipokin-Produktion direkt im Knie. Das ist einer der Gründe, warum schon 5–10 % Gewichtsverlust beim Knie so dramatisch wirken.