Endoprothese (TEP)
Künstliches Gelenk – die "letzte Option" bei Arthrose im Endstadium und einer der erfolgreichsten Eingriffe der modernen Medizin.
Eine Endoprothese (auch TEP = Totalendoprothese) ist ein künstliches Gelenk, das die natürlichen Gelenkflächen vollständig ersetzt. Sie ist die letzte Option bei Arthrose im Endstadium — und gleichzeitig einer der erfolgreichsten chirurgischen Eingriffe in der modernen Medizin.
Wo sie eingesetzt wird
Die häufigsten Endoprothesen-Lokalisationen:
- Knie (Knie-TEP / Knie-Totalendoprothese)
- Hüfte (Hüft-TEP)
- Schulter (Schulter-TEP / inverse Prothese)
- Seltener: Sprunggelenk, Ellbogen, Finger
In Deutschland werden laut EPRD-Jahresbericht 2025 jährlich:
- Über 239.000 Hüft-TEPs
- 173.252 Knie-TEPs (Stand 2024)
- Plus diverse Wechsel-Operationen
Komponenten einer modernen TEP
Eine Knie-TEP besteht typisch aus:
- Femur-Komponente (Metall — meist Titan oder Cobalt-Chrom)
- Tibia-Platte (Metallrahmen)
- Polyethylen-Inlay zwischen Femur und Tibia (kunststoff, abriebfest)
- Optional: Patella-Rückseite ersetzt
Beim Knie unterscheidet man:
- Schlittenprothese (Unikondylär) — nur ein Kompartiment ersetzt (15 % der Eingriffe)
- Totalendoprothese — alle Gelenkflächen ersetzt (85 %)
Wann ist eine Endoprothese sinnvoll?
Die Indikation wird streng gestellt — nicht aus dem Röntgenbild allein:
- Hoher subjektiver Leidensdruck über Monate trotz konservativer Therapie
- Eklatanter Verlust an Lebensqualität (Mobilität, Schlaf, Selbständigkeit)
- Konservative Therapie ausgeschöpft (mindestens 3–6 Monate strukturiert versucht)
- Radiologisch passender Befund (KL-Grad 3–4)
Alle vier Komponenten müssen vorliegen — eine OP allein wegen „schlechtem Röntgen” ist nicht leitlinienkonform.
Erfolgsquote
Endoprothesen sind sehr erfolgreich, aber nicht zu 100 %:
| Aspekt | Hüft-TEP | Knie-TEP |
|---|---|---|
| Zufriedenheit nach 1 Jahr | > 90 % | ca. 80 % |
| Standzeit (Implantat-Überleben) | 15–25 Jahre | 15–20 Jahre |
| „Unhappy 20%” | < 10 % | etwa 20 % chronische Restbeschwerden |
Das „Unhappy 20%“-Phänomen
Besonders bei der Knie-TEP ein wichtiges Phänomen: Etwa 20 % der Patient:innen haben auch nach radiologisch perfekter Knie-TEP chronische Restbeschwerden — Steifigkeit, intermittierender Schmerz, Unzufriedenheit.
Ursachen sind nicht vollständig geklärt:
- Veränderte Kinematik des künstlichen Gelenks
- Zentrale Sensibilisierung vor der OP
- Begleitende Schmerzbilder (Rücken, Hüfte)
- Postoperative Bandimbalanz
- Psychosoziale Faktoren
Konsequenz: Die OP darf nicht zu früh gemacht werden — wer mit unklarer Indikation operiert wird, hat höheres Risiko für das „Unhappy 20%“-Schicksal.
Vor und nach der OP
Vorbereitung
- Konservative Therapie maximal ausgeschöpft
- Strukturierte Pre-Hab (Bewegungstherapie vor OP)
- Gewichtsreduktion wenn möglich
- Nikotinkarenz
- Realistische Erwartungen klären
Nach der OP
- Rehabilitation in spezialisierter Klinik
- Frühe Mobilisation
- Strukturierte Nachsorge mit Physiotherapie
- GLA:D-Programm auch postoperativ sehr sinnvoll
Wann eine Wechsel-Operation nötig wird
Im Lauf von 15–20 Jahren werden viele Prothesen einmal gewechselt. Gründe:
- Aseptische Lockerung (häufigste) — 22 %
- Periprothetische Infektion — 15 %
- Bandinstabilität — 9 %
- Prothesen-Verschleiß — 5 %
Diese Wechsel-OPs sind technisch anspruchsvoller als die Primär-Implantation und gehören in spezialisierte Zentren.