Therapie

NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika)

Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen – wirksam bei Arthrose, aber mit Risiken bei Dauereinnahme.

NSAR steht für Nichtsteroidale Antirheumatika (englisch NSAID). Es ist eine große Medikamentengruppe, die sowohl Schmerzen lindert als auch Entzündungen hemmt — die wichtigste pharmakologische Gruppe in der Arthrose-Therapie.

Bekannte Wirkstoffe

  • Ibuprofen (z. B. Aktren, Dolormin)
  • Diclofenac (z. B. Voltaren)
  • Naproxen (z. B. Dolormin GS)
  • Celecoxib (z. B. Celebrex) — COX-2-selektiv
  • Etoricoxib (z. B. Arcoxia) — COX-2-selektiv

Wie sie wirken

NSAR hemmen die Enzyme Cyclooxygenase 1 und 2 (COX-1, COX-2). Diese Enzyme bilden aus Arachidonsäure die Prostaglandine — Botenstoffe, die Schmerz, Entzündung und Fieber vermitteln.

  • COX-1 ist „konstitutiv” — überall im Körper aktiv (z. B. schützt die Magenschleimhaut)
  • COX-2 wird bei Entzündung induziert — hier wirken die NSAR therapeutisch

Selektive COX-2-Hemmer (Celecoxib, Etoricoxib) haben weniger gastrointestinale Nebenwirkungen, aber höheres kardiovaskuläres Risiko.

Wirksamkeit bei Arthrose

NSAR sind das wirksamste konventionelle Schmerzmittel bei Arthrose:

  • Topische NSAR (Gele, Salben): First-Line laut AWMF + OARSI 2024
  • Orale NSAR: Second-Line, wenn topische nicht ausreichen
  • Wirksamkeit gemessen am WOMAC: signifikante Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung

Topisch vs. oral — der wichtige Unterschied

AspektTopisches NSAR (Gel)Orales NSAR (Tablette)
Wirksamkeitgut bei Knie + Handgut bei allen Gelenken
Magen-Risikominimalerhöht
Nieren-Risikominimalerhöht
Herz-Kreislauf-Risikominimalerhöht
Dauereinnahmemeist gut verträglichproblematisch
First-Line laut LeitlinieJanein

Risiken bei Dauereinnahme oraler NSAR

  • Magen-Darm-Trakt: Ulzera, Blutungen
  • Niere: akutes Nierenversagen, chronische Nierenschäden
  • Herz-Kreislauf: Hypertonie, Herzinfarkt-Risiko erhöht
  • Leber: selten, aber möglich
  • Allergische Reaktionen

Bei Risikopatient:innen (älter, multimorbid) ist Vorsicht geboten.

Wie NSAR richtig einsetzen

Akute Schübe (Aktivierte Arthrose, Schmerzphase)

  • Topisch großzügig (3–4× täglich)
  • Wenn nicht ausreichend: Oral kurz und niedrig dosiert — z. B. Ibuprofen 400–600 mg 2× täglich für maximal 5–10 Tage
  • Bei Risikopatient:innen: zusätzlich Magenschutz (Protonenpumpenhemmer)

Chronische Schmerzen

  • Nicht als Dauertherapie verwenden
  • Stattdessen die kausalen Hebel ausschöpfen: Bewegung, Gewicht, Anti-Inflammation (Curcumin, Omega-3), Akupunktur

Wann unbedingt mit Arzt sprechen

  • Antikoagulanzien-Therapie (Marcumar, Eliquis, etc.)
  • Bestehende Nieren- oder Herzkrankheiten
  • Magenulzera in der Vorgeschichte
  • Dauereinnahme länger als 2 Wochen
  • Schwangerschaft (NSAR im 3. Trimenon strikt vermeiden)

NSAR sind ein wertvolles Werkzeug — aber kein Standardmedikament für jeden Tag. Wer sie strategisch einsetzt (topisch zuerst, oral nur kurz), bekommt den Nutzen ohne die langfristigen Risiken.