Therapie

Hyaluronsäure

Hauptbestandteil der Gelenkschmiere – als Injektion ins Gelenk umstritten, oral neuere Daten positiv.

Hyaluronsäure (HA, auch Hyaluronan) ist eine im Körper natürlich vorkommende Substanz, die in besonders hohen Konzentrationen in der Gelenkflüssigkeit vorkommt. Sie verleiht der Synovialflüssigkeit ihre Viskosität (Zähflüssigkeit) und ist ein zentraler Bestandteil der Knorpelmatrix.

Was Hyaluronsäure im Gelenk macht

  • Schmierung: HA macht die Gelenkflüssigkeit zähflüssig — wie ein Schmiermittel zwischen den Knorpelflächen
  • Stoßdämpfung: Die zähflüssige Konsistenz dämpft Druck
  • Nährstoffträger: Die HA-haltige Flüssigkeit transportiert Glukose und Sauerstoff zu den Chondrozyten
  • Schutz vor Abnutzung: physikalische Barriere zwischen Knorpelflächen

Bei Arthrose verlieren die kranken Synoviozyten die Fähigkeit, hochmolekulare HA zu produzieren — die Gelenkflüssigkeit wird dünnflüssiger und weniger schmiermittelaktiv.

Hyaluronsäure-Injektionen ins Gelenk (Viskosupplementation)

Hier wird hochmolekulare HA direkt ins Gelenk gespritzt — meist als Serie von 3–5 Injektionen im Wochenabstand.

Die Datenlage

Die Wirksamkeit ist kontrovers:

  • Einige Studien zeigen moderate Schmerzlinderung über 6 Monate
  • Andere Studien und mehrere Meta-Analysen finden keinen klinisch relevanten Effekt gegenüber Placebo
  • AWMF S3-Leitlinie Gonarthrose 2024: gibt keine eindeutige Empfehlung (weder dafür noch dagegen)
  • OARSI 2019: bedingte Empfehlung für spezifische Komorbiditäten

Was Patient:innen wissen sollten

  • HA-Injektionen sind oft kostenpflichtig (IGeL — individuelle Gesundheitsleistung)
  • Die Kosten liegen bei 200–500 € pro Behandlungsserie
  • Eine ehrliche Aufklärung sollte die widersprüchliche Datenlage umfassen
  • Bei nicht-aktivierter Arthrose mit klarem Schmiermittel-Defizit kann sie helfen — aber nicht garantiert

Orale Hyaluronsäure

Eine spannendere Entwicklung: Orale HA-Präparate (100–300 mg/Tag über mehrere Monate). Neuere Meta-Analysen zeigen:

  • Signifikante Schmerzreduktion (VAS)
  • Funktionsverbesserung (WOMAC)
  • Anti-inflammatorische Effekte im Tiermodell (Senkung IL-1β, TNF-α)
  • Wichtig: hochmolekulare HA (650–1.200 kDa) scheint wirksamer als niedermolekulare Fragmente

Die orale HA scheint also systemisch entzündungshemmend zu wirken — anders als die mechanisch-schmierende Wirkung der Injektionen.

Fazit zur Hyaluronsäure

  • Injektionen ins Gelenk: Datenlage widersprüchlich, Leitlinien zurückhaltend, hohe Kosten
  • Orale HA: neuere Daten vielversprechend, niedriges Risiko, niedrigere Kosten
  • Beide können einen Versuch wert sein — aber mit klaren Erfolgs-Kriterien und Abbruchgrenze

Wer Geld in Gelenk-Supplemente investieren möchte, sollte zuerst die besser belegten Optionen prüfen: Curcumin (bioverfügbar), Omega-3, Kollagenpeptide — die haben deutlich solidere Evidenz als Hyaluronsäure.