Wenn der OP-Termin für eine Hüft-Totalendoprothese (TEP) feststeht, denken die meisten Menschen an das, was danach kommt: Reha, Physiotherapie, Gehhilfen. Dabei liegt ein oft ungenutztes Zeitfenster direkt vor uns — die Wochen bis zum Eingriff. Wer diese Zeit gezielt nutzt, geht stärker in die OP und erholt sich schneller. Die Medizin nennt das Prehabilitation.
Was ist Prehabilitation — und warum wirkt sie?
Prehabilitation bedeutet: gezieltes körperliches und mentales Training vor einer Operation, um den postoperativen Verlauf zu optimieren. Die Logik ist einfach: Eine Hüft-TEP ersetzt zerstörten Knorpel und Knochen — aber sie kann keine Muskulatur ersetzen. Wer mit schwacher Hüft- und Rumpfmuskulatur operiert wird, braucht länger, um nach dem Eingriff wieder sicher stehen und gehen zu können.
Ein systematischer Review von Wyles et al. (2021) fasst die Evidenz zusammen: Prehabilitation vor einer Hüft-TEP ist mit kürzeren Krankenhausaufenthalten, höherer funktionaler Ausgangslage bei Entlassung und beschleunigter Rückkehr zur Alltagsmobilität assoziiert. 1 Die Effekte sind am deutlichsten bei Patienten, die sechs oder mehr Wochen vor der OP mit dem Training beginnen.
Das Trainings-Programm: Drei Säulen
1. Hüft- und Beckenmuskulatur
Die Glutealmuskulatur — allen voran Gluteus medius und Gluteus minimus — stabilisiert das Becken bei jedem Schritt. Ist diese Muskulatur schwach, kippt das Becken zur Gegenseite ab (Trendelenburg-Zeichen), was die frisch implantierte Hüfte unnötig belastet.
Empfohlene Übungen:
- Clamshells (Muschelübung): Seitlage, Knie angewinkelt, Füße zusammen. Den Oberschenkel nach oben rotieren, als würde man eine Muschel öffnen. 3 × 15 Wiederholungen je Seite.
- Glute Bridges: Rückenlage, Knie gebeugt. Gesäß anheben, bis Schultern, Hüfte und Knie eine gerade Linie bilden. 3 × 12 Wiederholungen.
- Seitliches Beinheben: Seitlage, das obere Bein gestreckt anheben (ca. 30 Grad), langsam absenken. 3 × 15 Wiederholungen.
Wichtig: Schmerzen unter 4 auf einer 10-Punkte-Skala sind akzeptabel. Stechen, starkes Ziehen oder Schmerzen, die länger als 2 Stunden nach dem Training anhalten, sind Stoppsignale.
2. Core-Stabilität
Eine stabile Rumpfmuskulatur optimiert die Biomechanik des Beckens und entlastet das Hüftgelenk bei Alltagsbewegungen. Nach der OP hilft ein starker Core, die korrekten Schutzpositionen (v. a. in den ersten Wochen mit Bewegungseinschränkungen) zu halten.
- Dead Bug: Rückenlage, Arme zur Decke gestreckt, Beine im 90-Grad-Winkel. Abwechselnd Arm und gegenüberliegendes Bein strecken, ohne den unteren Rücken anzuheben. 3 × 8 Wiederholungen je Seite.
- Beckenkippungen: Flach auf dem Rücken liegen, aktiv den unteren Rücken zur Matte drücken. 3 × 20 Wiederholungen.
3. Obere Extremitäten — der unterschätzte Faktor
Nach einer Hüft-TEP sind für mehrere Wochen Unterarmgehstützen Pflicht. Wer vorher keine Kraft in Armen, Schultern und Handgelenken aufgebaut hat, kämpft nach der OP mit zwei Baustellen gleichzeitig — Hüft-Schmerz und Armermüdung. 2
- Liegestütze (angepasst): An der Wand oder auf einer schrägen Fläche — schont die Hüfte, trainiert Brust und Trizeps.
- Hanteln oder Theraband: Rudern im Sitzen, Schulterdrücken — 3 × 12 Wiederholungen.
- Griff-Kraft: Handtrainer täglich 2–3 Minuten — wichtig für das sichere Greifen der Gehstützen.
Ernährung: Zwei kritische Stellschrauben
Protein
Muskeln wachsen nur, wenn ausreichend Baustoffe vorhanden sind. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für ältere Erwachsene mindestens 1,0–1,2 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Im Prehab-Kontext vor einer OP sind 1,4–1,6 g/kg sinnvoll — das entspricht bei 70 kg Körpergewicht etwa 98–112 g Protein täglich.
Gute Quellen: Hülsenfrüchte (Linsen, Edamame), Eier, Quark, Geflügel, Fisch, Tofu. Protein-Shakes können als Ergänzung dienen, sind aber kein Ersatz für nährstoffreiche Mahlzeiten.
Vitamin D
Vitamin D reguliert die Kalziumaufnahme im Darm und ist für die ossäre Integration (Einwachsen) der Prothese in den Knochen essenziell. Niedrige Vitamin-D-Spiegel sind in Deutschland weit verbreitet — insbesondere in den Wintermonaten und bei wenig Aufenthalt im Freien.
Empfehlung: Vitamin-D-Spiegel im Blut (25-OH-Vitamin D) kontrollieren lassen. Ein Wert unter 30 ng/ml sollte vor der OP gezielt angehoben werden.
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Mentale Vorbereitung: Die Reha beginnt im Kopf
Wer die postoperativen Bewegungseinschränkungen bereits vor dem Eingriff kennt und versteht — warum das operierte Bein in den ersten Wochen nicht überschlagen werden darf, wie man sich mit Gehstützen korrekt von einem Stuhl erhebt — erholt sich nachweislich schneller. 1 Angst vor dem Unbekannten ist einer der Hauptgründe für verlängerte Klinikaufenthalte.
Praktische Schritte:
- Präoperative Patienteninformations-Veranstaltungen der Klinik besuchen
- Die drei Hauptbewegungsverbote nach Hüft-TEP üben: kein Überschlagen der Beine, keine Innenrotation über 0°, keine Beugung über 90° (abhängig vom OP-Zugang — unbedingt mit dem Operateur klären) 3
- Den Alltag vorbereiten: Sitzhöhen anpassen (Toilettensitzerhöhung, hohe Stühle), rutschige Teppiche entfernen, Dinge griffbereit auf Hüfthöhe stellen
Der Zeitplan: Wann beginnen?
| Wochen vor OP | Prioritäten |
|---|---|
| 8–6 Wochen | Muskelaufbau (Gluteus, Core, Arme) starten, Protein erhöhen, Vitamin D prüfen |
| 6–4 Wochen | Trainingsintensität steigern, Bewegungsverbote erlernen, Alltag vorbereiten |
| 4–2 Wochen | Training beibehalten (kein Überschreiten der Schmerzschwelle), Arme und Schultern intensivieren |
| 1 Woche vorher | Intensität reduzieren, Kraft-Ausdauer beibehalten, Fokus auf Erholung |
EPRD-Daten zeigen: Über 90 % der Patienten berichten nach Hüft-TEP von drastischer Schmerzreduktion und Rückkehr zu Alltagsaktivitäten innerhalb von 3–6 Monaten. 4 Mit gezielter Prehabilitation kann dieser Zeitraum noch weiter verkürzt werden.
Omega-3 aus Algenöl — EPA und DHA für Herz, Gehirn und Sehkraft
EPA und DHA aus hochwertigen Omega-3-Fettsäuren tragen zur normalen Funktion von Herz, Gehirn und Augen bei. In der Prehab-Phase kann eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren Teil einer bewussten Ernährungsstrategie sein.
- 2.000 mg Algenöl pro Tagesdosis – rein pflanzlich
- EPA + DHA in studienrelevanter Konzentration
- TOTOX-geprüft: frisch, unoxidiert, ohne Fischgeschmack
- Laborgeprüft, in Deutschland entwickelt
Die Wochen vor einer Hüft-TEP sind keine Wartezeit — sie sind Trainingszeit. Je besser vorbereitet Sie in den Eingriff gehen, desto schneller sind Sie wieder mobil, schmerzfrei und eigenständig. Ihr Körper hat mehr Einfluss auf den Genesungsverlauf, als viele glauben.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Prehabilitations-Übungen, eine Ernährungsumstellung oder Vitamin-D-Supplemente solltest du vor einer geplanten Hüft-TEP unbedingt mit deinem Operateur, Physiotherapeuten und Hausarzt abstimmen — insbesondere wenn Begleiterkrankungen wie Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes vorliegen.
→ Alles über die Koxarthrose, ihre Ursachen und den Therapie-Stufenplan: Hüftarthrose (Koxarthrose) – der vollständige Leitfaden
Quellen
Leitlinien
- [3]AWMF (2022): S3-Leitlinie Evidenz- und konsensbasierte Indikationskriterien zur Hüfttotalendoprothese (187-001) · Zum Volltext ↗
Studien & Epidemiologie
- [2]Moyer R et al. (2017): Is prehabilitation associated with improved functional outcomes after total joint replacement? A systematic review and meta-analysis
- [4]Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) (2023): EPRD-Jahresbericht 2023: Ergebnisqualität und Standzeiten bei Hüft-TEP · Zum Volltext ↗
Reviews & Meta-Analysen
- [1]Wyles CC et al. (2021): Prehabilitation before total hip arthroplasty: a systematic review